Corona – eine kleine Umfrage

Unsere Umfrage hat überraschend viele unserer Mitglieder und Leser:innen interessiert.

Um auch noch eventuellen „Nachzügler:innen“ gerecht zu werden, haben Sie die Möglichkeit, unser Umfrage-Formular noch bis Ende des Monats auszufüllen. Danach machen wir uns an die Auswertung, die wir dann an dieser Stelle veröffentlichen werden!

Nicht unbedingt Corona tauglich, dafür aber wunderschön: venezianische Maske

GEWONNEN! ENDLICH!

Ein Update zum Post vom 30. September 2020

Uns liegt jetzt das Urteil vor, dass der Kläger, Michael Decker, uns freundlicherweise überlassen hat. Wir wollen dies hier öffentlich teilen, denn es ist sozusagen ein Lehrstück deutscher Juristerei, ein Lehrstück auch von der Verkommenheit und Verlogenheit mancher Gutachter:innen. Ein Lehrstück auch dafür dass letzten Endes das Recht (manchmal) doch eine Chance bekommen kann.

Und natürlich wirft es ein geradezu grausames Schlaglicht auf die Verhältnisse in deutschen Heimen (in diesem Falle) der 60er und 70er Jahre.

Das Urteil wird auf Wunsch des Klägers in voller Länge und mit sämtlichen Angaben veröffentlicht. Geschwärzt haben wir lediglich einen Teil des Lebenslaufes des Kläger (NACH der Heimzeit), von dem er nicht will, dass er öffentlich wird, sowie natürlich die Adresse des Klägers.

Zeigen Sie mit der Maus auf das Dokument, so wird am unteren Ende der ersten Seite eine Bearbeitungszeile sichtbar. Sie haben nun die Wahl, sich durch das Dokument Seite für Seite durchzuklicken.

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Desinteresse? Oder doch etwas zu verheimlichen?

Am 22. Oktober 2020 richteten wir eine Anfrage an die Diakonie Bamberg, bzw. dessen Leiter Dr. Norbert Kern.

Wir baten ihn höflich um Hilfe bei der Beantwortung einiger Fragen bezüglich des ehemaligen Erziehungsheim „Voccawind“

„Voccawind“

1948 errichtete die Innere Mission das Erziehungsheim auf dem Zeilberg, das 1954 erweitert wurde und bis in die 1970er Jahre bestand. Es hatte etwa 50 Plätze für Jugendliche ab 14 Jahren. Diese mussten unter anderem im Basaltsteinbruch arbeiten.

Warum die Anfrage an die Diakonie Bamberg?
Die Innere Mission und das nach 1945 gegründete „Hilfswerk der Evangelische Kirche Deutschland schlossen sich ab 1957 in landeskirchlichen Werken zusammen. Diese waren also als Vorläufer der heutigen Diakonischen Werke für „Voccawind“ verantwortlich. 1975 wurden sie im Diakonischen Werk der EKD vereint.

Leiter-Diakonie-Bamberg

(Mit der Maus über den Brief fahren und den „Abwärts“-Knopf klicken um die 2. Seite des Briefes anzuzeigen)


Unsere Anfrage blieb leider unbeantwortet. Hätten wir (in weiser Voraussicht) den Brief nicht als Einschreiben abgeschickt, müssten wir uns wohl wundern, ob er den Empfänger je erreicht hat.

Da der Empfänger jedoch alle Regeln der Höflichkeit außer Acht ließ, haben wir uns nun entschlossen, das Schreiben an dieser Stelle zu veröffentlichen und gleichzeitig nachzufragen, woran dieser Mangels an höflichen Gepflogenheiten wohl liegen mag.

Wir fragen uns:
– Ist die Diakonie Bamberg nicht an ihrer Vergangenheit interessiert?
– Geht ihr das Schicksal der ehemaligen Heimkinder sonst wo vorbei?
– Oder gibt es eher doch etwas zu verbergen?

GEWONNEN! ENDLICH!

Dieser Prozess auf Zahlungen nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) wurde gewonnen! Endlich! Nach zehn langen, anstrengenden, nervenzehrenden Jahren.

Allerdings nicht, ohne dass der Prozess von NRW (der Kläger wurde Jahre lang im Franz Sales Haus in Essen schrecklich misshandelt) nach Bremen verlegt wurde, wo der Kläger heute lebt.

Franz Sales Haus

Die lange Zeit zur Urteilsfindung ist in erster Linie dem LWL anzulasten, der immer und immer wieder bestritt, dass der Kläger traumatisiert war, einzelne Aussagen wieder und wieder angefochten hat und nicht bereit war, den Grad der Beschädigung von 50% (!) anzuerkennen.

Wir freuen uns unglaublich mit und für den Kläger, der uns im übrigen bat, allen potentiellen Kläger*innen Mut zu machen:

„Gebt nicht auf !“

Umfrage für die Forschungen: ”Eigenständigkeit der Betreuten der Familien- und institutionellen Form der Ersatzpflege in Deutschland und in Polen“

Uns erreichte eine Anfrage der polnischen Universität Zielona Góra, an einer Umfrage teilzunehmen.
Gern teilen wir diese Bitte mit dem Wunsch, dass sich möglichst viele Menschen an dieser Umfrage beteiligen mögen, da Sie weniger auf die Vergangenheit abzielt, sondern auf das heutige Leben!

Universität von Zielona Góra
Fakultät für Pädagogik, Psychologie und Soziologie
Institut für Pädagogik
mgr Ewa Nowakowska

Umfrage für die Forschungen: ”Eigenständigkeit der Betreuten der Familien- und institutionellen Form der Ersatzpflege in Deutschland und in Polen“

Sehr geehrte Damen und Herren
Als Doktorandin des Lehrstuhls für Pädagogik der Universität von Zielona Góra realisiere ich seit ein paar Jahren unter der Leitung von Dr. habil. Grażyna Gajewska ein Forschungsprojekt, welches Ziel ein Vergleich der Systeme der Sozialhilfe in Polen und in Deutschland sowie die Analyse der Eigenständigkeit der ehemaligen Betreuten der verschiedenen Formen der Ersatzpflegschaft in den ersten Jahren nach dem Verlassen der Pflegestelle, ist.
Im Rahmen der Realisierung eines Teils dieses Projekts, d.h. der Umfrageforschung gerichtet an die ehemaligen Betreuten der verschiedenen Formen der Ersatzpflegschaft, wende ich mich an Sie mit der Bitte um die Ausfüllung der Umfrage, welcher Ziel die praktische Nutzung Ihrer Kenntnisse und der Meinung zum dargestellten Thema ist.
Ich möchte zugleich informieren, dass die Forschung voll anonym und nicht kommerziell ist und die erzielten Ergebnisse ausschließlich für die wissenschaftlichen und Forschungsziele ausgenutzt werden, dienend in der Zukunft als ein wertvolles Element meiner Doktorarbeit, wofür ich mich bei Ihnen herzlich bedanke.
Hochachtungsvoll
mgr Ewa Nowakowska
Fakultät für Pädagogik, Psychologie und Soziologie
Institut für Pädagogik
Tel. +48 516 835041
E-Mail: ewa. nowakowska. bielen@gmail. com

Einen Link zur Umfrage finden Sie hier!

Arolsen Archives

UNESCO Welt-Dokumentenerbe

In Bad Arolsen in Hessen befindet sich das weltweit größte Archiv über die Opfer und die Überlebenden des NS-Regimes: UNESCO Welt-Dokumentenerbe, aber noch immer wenig bekannt. Interessante Informationen bietet unsere Timeline zur Geschichte.

Screenshot von der Webseite

Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft.

Hier der Link zu der hochinteressanten Homepage

So viel zu sagen, doch kein Plan, wie

Uns erreichte folgender Hilferuf und wir tragen gern dazu bei, ihn bekannt zu machen:

Hi,
eine halbe Million Kinder sind in den 1950er bis 1970er Jahren in den 3000 kirchlichen Erziehungsheimen in Deutschland durch Bischöfe, Pfarrer, Erzieher und andere Mitarbeiter schwerst sexuell missbraucht worden.
500 000 Jungen und Mädchen die fast immer nicht älter als 12 Jahre waren.Spricht man diese Zahl mal in seinem eigenen Kopf aus fühlt sich das schon irgendwie beklemmend an.

Ich war bereits 8 Jahre mit meinem Mann verheiratet als er mir von dem berichtete was ihm im Alter von 9-12 Jahren im Pestalozzistift in Großburgwedel angetan wurde.
Auch mein Mann wurde durch höchste Ordenträger wie den damaligen Landesbischof zu Braunschweig, den damalige Heimleiter der gleichzeitig Heim-Pfarrer war, mehrere Erzieher und auch eine Erzieherin vergewaltigt und auf die abartigsten Art und Weisen sexuell missbraucht die sich jeder von uns nicht einmal vorstellen möchte.
Grausamkeiten die jegliches je in unserer aller Köpfe da gewesene Vorstellungsvermögen sprengen.

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Erklärung Ehemaliger Heimkinder zum Medikamentenmissbrauch

Wie ja sicher alle mitbekommen haben, konnte durch die Forschung von Dr. Sylvia Wagner bewiesen werden, dass Medikamentenversuche an Heimkindern durchgeführt wurden. Die Forschungen von Frau Dr. Wagner sind inzwischen veröffentlicht worden und der VEH hat hierzu eine Erklärung verfasst, die Sie hier lesen können:

Erklärung Ehemaliger Heimkinder zum Medikamentenmissbrauch
Seit mehr als 200 Jahren werden Heimkinder für medizinische und pharmazeutische Versuche missbraucht. Im 18. Jahrhundert wurde das Verfahren der Pockenschutzimpfung entwickelt, an Heimkindern. Seitdem mussten sie immer wieder zur Entwicklung und Prüfung von Impfstoffen und Arzneimitteln herhalten. Sie waren verfügbar, konnten keine Gegenwehr leisten und Eltern, die sie hätten beschützen können, waren nicht vor Ort. Als in den 1950er bis 1970er Jahren Arzneimittel im großen Maßstab erforscht und entwickelt wurden, die BRD galt als „Apotheke der Welt“, mussten wieder Heimkinder für die Prüfung von Substanzen herhalten.

Wir Heimkinder wurden nicht gefragt, aber jetzt antworten wir!
Als Säuglinge konnten wir uns nicht äußern, als Heranwachsende wurden wir nicht gefragt. Wehrten wir uns, die Pillen zu schlucken, wurden wir gezwungen. Auch unsere Eltern wurden nicht gefragt. Dies war gängige Praxis. Dabei gilt bereits seit über hundert Jahren, dass eine Verabreichung von Arzneimitteln ohne Einwilligung den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt. Im Jahre 1900 gab es zudem erstmals eine Anweisung, dass Versuche am Menschen nur mit einer eindeutigen Zustimmung der betreffenden Person durchgeführt werden durften. Seitdem wurden weitere rechtliche und ethische Vorschriften erlassen, die ebenfalls u. a. eine Zustimmung zu Versuchen forderten. Eine solche Zustimmung hat es von Heimkindern jedoch nie gegeben!

Wir wurden benutzt, allein gelassen, wir waren sogar billiger als Versuchstiere.
Man hat gut an uns verdient. Nachdem die Mittel an uns getestet wurden, mussten wir sie, v. a. Psychopharmaka und triebhemmende Mittel, zum Teil sogar über Jahre schlucken. Meistens wussten wir selbst nicht, was mit uns geschah. Entweder weil wir zu klein waren oder weil wir unwissend gehalten wurden. Äußerten wir doch einmal die Vermutung, dass an uns Medikamente erprobt wurden, schenkte man uns keinen Glauben (s. Abschlussbericht RTH 2010).

Aber jetzt werdet Ihr nicht mehr weghören können! Und heute erklären wir:
Wir haben den Versuchen niemals zugestimmt, wir hätten den Versuchen niemals zugestimmt und wir stimmen den Versuchen auch rückblickend nicht zu! Wir verurteilen die Versuche! Hört auf, Kinder, die keinen Nutzen davon haben, die keine Eltern haben, die in stationären Einrichtungen untergebracht sind, für Eure Zwecke zu missbrauchen! Weder in Deutschland, noch in Europa, noch in „Entwicklungs- oder Schwellenländern“, noch sonstwo! Nie wieder!

Nicht einmal habt Ihr Euch bei uns entschuldigt, uns an Eurem Gewinn beteiligt, uns für das Leid entschädigt. Monate- und jahrelang mussten wir Eure Pillen schlucken. Wie konntet Ihr es wagen?

Wir haben es satt! Kommt uns nicht mit unaufrichtigen Mitleidsbekundungen! Wir verlangen eine ernsthafte, unabhängige Aufarbeitung, eine angemessene Entschädigung unter Beteiligung aller verantwortlichen Institutionen und Organisationen, die Anerkennung der Praktiken als Menschenrechtsverletzungen sowie den Schutz Heranwachsender vor derartigen Praktiken.

Wir werden es nicht mehr zulassen, wir sind hier!